Wer im Allgäu eine Bergtour mit markanter Felskulisse und echter alpiner Atmosphäre sucht, findet am Hohen Ifen ein ungewöhnlich vielseitiges Ziel. Der rund 2.230 Meter hohe Gipfel liegt an der Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg und verbindet aussichtsreiche Wege mit einer beeindruckenden Karstlandschaft. Ich zeige, welche Route zu welchem Anspruch passt, wie die Tour sinnvoll geplant wird und warum das benachbarte Gottesackerplateau besonderen Schutz verdient.
Die wichtigsten Fakten für deine Tour am Hohen Ifen
- Lage: Grenzberg zwischen dem Allgäu und dem Kleinwalsertal
- Höhe: etwa 2.230 Meter
- Gipfeltour: rund 13,9 Kilometer, 6,5 Stunden und 914 Höhenmeter
- Anspruch: alpine Bergtour für erfahrene Wanderer mit Trittsicherheit
- Besonderheit: markante Kalkwände und das geschützte Gottesackerplateau

Was den Hohen Ifen so besonders macht
Der Hohe Ifen gehört zu den auffälligsten Bergen der Allgäuer Alpen. Seine helle, fast waagerecht wirkende Felsplatte hebt sich deutlich von den runderen Grasbergen der Umgebung ab. Auf dem Gipfel treffen die Grenzen von Deutschland und Österreich aufeinander, während der Berg selbst vor allem von der österreichischen Seite des Kleinwalsertals aus erwandert wird.
Sein Charakter entsteht durch den harten Schrattenkalk, einen Kalkstein aus der Kreidezeit. Wasser konnte über Jahrtausende Spalten und Rinnen in das Gestein waschen. Dadurch entstand eine typische Karstlandschaft mit kargen Felsflächen, Dolinen und unterirdischen Höhlensystemen.
Für mich liegt der Reiz nicht allein im Gipfelblick. Viel eindrucksvoller ist der Wechsel zwischen grünen Alpflächen, grobem Geröll und den steilen Ifenwänden. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über das Kleinwalsertal und die Gipfel des Allgäus, bei Nebel wirkt das Plateau dagegen schnell rau und schwer einschätzbar.
Welche Wanderung am Ifen zu dir passt
Rund um den Berg gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Der Gipfelweg ist kein gemütlicher Spaziergang, während das Hahnenköpfle eine gute Alternative für Wanderer ist, die das Panorama erleben möchten, ohne den gesamten Gipfelanstieg zu gehen.
| Tour | Distanz und Zeit | Anspruch | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| Hahnenköpfle | ca. 6 km, 3,5 Stunden, 500 Höhenmeter | mittel | Geübte Wanderer, die eine kürzere Bergtour bevorzugen |
| Hoher-Ifen-Runde | ca. 13,9 km, 6,5 Stunden, 914 Höhenmeter | schwer | Erfahrene Bergsteiger mit guter Kondition |
| Gottesackerplateau | ca. 13,1 km, 6,5 Stunden, 949 Höhenmeter | mittel | Wanderer mit Ausdauer und sicherem Tritt im Karstgelände |
Die Gipfelrunde
Die anspruchsvolle Rundtour startet an der Talstation der Ifenbahn. Mit der Bergbahn lässt sich der Zustieg verkürzen, alternativ kommen vom Tal aus etwa 300 zusätzliche Höhenmeter bis zur Mittelstation hinzu. Von der Ifenhütte führt der Weg durch die Ifenmulde, über steiler werdendes Gelände und ein grobes Geröllfeld bis an die markante Felswand.
Die letzten Abschnitte verlangen Konzentration. Der Weg ist zwar markiert, aber ausgesetzte Stellen, loses Gestein und wechselnde Wetterverhältnisse machen die Tour für Familien mit kleinen Kindern oder ungeübte Geher ungeeignet. Ich würde diese Runde nur wählen, wenn mehrere Stunden Bergauf- und Bergabgehen problemlos möglich sind.
Das Hahnenköpfle als ruhigere Alternative
Wer nicht zwingend auf den höchsten Punkt muss, findet im Hahnenköpfle ein lohnendes Ziel mit starkem Blick auf die Nordwände des Ifen. Die Tour ist kürzer und technisch einfacher, bleibt aber eine Bergwanderung mit deutlichem Höhenunterschied. Gerade für einen ersten Besuch halte ich sie für eine kluge Wahl, wenn die Wetterprognose unsicher ist oder die Kondition nicht für die große Runde reicht.
So planst du die Tour sicher und entspannt
Der wichtigste Planungsfehler ist, die Strecke anhand der Kilometerzahl zu beurteilen. Fast 1.000 Höhenmeter, Geröll und alpine Wetterwechsel machen die Tour deutlich anstrengender als ein gleich langer Weg im Tal. Plane für die große Runde mindestens einen halben Tag ein und rechne zusätzliche Zeit für Pausen, Orientierung und Fotostopps ein.
Die Ifenbahn kann den Aufstieg verkürzen, fährt aber saisonabhängig. Betriebszeiten, Wartungen und wetterbedingte Ausfälle ändern sich; deshalb sollte der aktuelle Status am Tourtag geprüft werden. Wenn die Bahn nicht fährt, verlängert sich die Tour spürbar, und die Reserven für den Rückweg werden wichtiger.
Diese Ausrüstung gehört in den Rucksack
- stabile Wanderschuhe mit griffiger Sohle
- warme Zusatzschicht und winddichte Jacke
- mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Person
- kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung und geladenes Mobiltelefon
- Offline-Karte oder klassische Wanderkarte
- Sonnen- und Regenschutz, auch bei zunächst blauem Himmel
Stöcke können auf dem Geröllfeld und beim Abstieg helfen, ersetzen aber keine Trittsicherheit. Bei Gewitter, dichter Bewölkung oder starkem Wind würde ich den Gipfel auslassen. Auf dem offenen Plateau gibt es nur wenig Schutz, und nasser Kalk kann unangenehm rutschig werden.
Der beste Zeitpunkt
Für eine schneefreie Gipfeltour eignen sich meist die Sommer- und frühen Herbstmonate, wobei Schneefelder bis weit in den Frühsommer möglich sind. Im Herbst wird es früh dunkel, und im Frühjahr können winterliche Verhältnisse herrschen. Eine Sommerroute darf deshalb nicht automatisch als sichere Winterwanderung verstanden werden.
Warum das Gottesackerplateau mehr als eine schöne Kulisse ist
Nordöstlich des Gipfels beginnt das Gottesackerplateau, eine der eindrucksvollsten Karstlandschaften der Region. Der Name passt zur ungewöhnlichen Oberfläche aus hellen Kalkplatten, Rissen und verwitterten Felsformen. Wasser versickert hier teilweise sofort im Untergrund, weshalb die Landschaft trotz feuchter Bergluft trocken und fast unwirtlich wirken kann.
Das Gebiet ist ökologisch besonders wertvoll und grenzüberschreitend geschützt. Auf deutscher Seite umfasst das entsprechende FFH-Gebiet rund 2.453 Hektar. Seltene alpine Pflanzen, Feuchtflächen und empfindliche Lebensräume machen deutlich, warum Abkürzungen quer über das Plateau keine gute Idee sind.
Höhlen wie das Hölloch zeigen, wie weit die unterirdische Welt reicht. Sie sollten allerdings nicht auf eigene Faust betreten werden. Ohne Erfahrung, passende Ausrüstung und lokale Führung werden Orientierung, Steinschlag und plötzlich ansteigendes Wasser schnell unterschätzt.
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Rücksicht auf Natur und Tiere
Auf den markierten Wegen zu bleiben, ist hier nicht bloß eine Frage des guten Benehmens. Es schützt die dünne Vegetation und verhindert, dass Wanderer Wildtiere in Rückzugsgebiete drängen. Hunde sollten entsprechend den örtlichen Hinweisen geführt werden, besonders in Bereichen mit Weidevieh oder ausgewiesenen Ruhezonen.
Ich empfehle außerdem, Pausen auf robusten Flächen einzulegen und keine Pflanzen, Steine oder Fossilien mitzunehmen. Gerade eine Landschaft, die so karg aussieht, regeneriert sich oft nur sehr langsam.
Was vom Hohen Ifen wirklich bleibt
Der Berg eignet sich sowohl für ambitionierte Gipfelwanderer als auch für Besucher, die sich schrittweise an alpine Höhen herantasten möchten. Die beste Entscheidung ist nicht automatisch die längste Route, sondern diejenige, die zu Kondition, Wetter und Erfahrung passt.
Wer die große Runde plant, sollte früh starten, die Bahn nicht als feste Garantie einrechnen und den Rückweg ebenso ernst nehmen wie den Aufstieg. Wer dagegen das Hahnenköpfle oder das Gottesackerplateau wählt, erlebt bereits die prägende Landschaft des Ifenmassivs, ohne den Gipfel um jeden Preis erzwingen zu müssen.
Mein persönlicher Rat lautet deshalb, den Hohen Ifen nicht als reinen Fotopunkt zu behandeln. Nimm dir Zeit für die Geologie, die offenen Weideflächen und die ungewöhnliche Stille des Plateaus. Genau diese Mischung aus Abenteuer und empfindlicher Natur macht den Berg zu einem der stärksten Outdoor-Ziele im Allgäu.
